Nur eine Woche nach der Veröffentlichung der neuesten EU-Quoten am 1. Oktober haben die drei Länder ihre Quoten für einige Stahlsorten und 50 Prozent der Quoten für andere Stahlsorten, die eigentlich bis zum 31. Dezember gelten sollten, bereits ausgeschöpft. Die Türkei hatte ihre Importquote für Betonstahl (90.856 Tonnen) bereits am 1. Oktober, dem ersten Tag der neuen Quote, erschöpft, und auch andere Kategorien wie Gasrohre, Hohlstahl und kaltgewalzte Edelstahlcoils hatten den Großteil ihrer Quoten (etwa 60–90 %) verbraucht.
Am 6. Oktober verhängte die EU offiziell ihre achte Sanktionsrunde gegen Russland. Diese beschränkt die Ausfuhr russischer Halbzeuge, darunter Brammen und Knüppel, und verbietet die Verwendung zuvor importierter russischer Halbzeuge. Da über 80 % der EU-Halbzeuge aus Russland und der Ukraine stammen und die Quoten für die genannten gängigen Stahlsorten ohnehin knapp sind, könnten die europäischen Stahlpreise künftig steigen. Der Grund: Der Markt kann die Lücke im russischen Stahlangebot möglicherweise nicht bis zum 1. Oktober 2024 (Übergangsfrist für Brammen) bzw. April 2024 (Übergangsfrist für Knüppel) schließen.
Laut Mysteel ist NLMK der einzige russische Stahlkonzern, der trotz EU-Sanktionen noch Brammen in die EU liefert und den Großteil davon an seine Tochtergesellschaften in Belgien, Frankreich und anderen europäischen Ländern absetzt. Severstal, ein großer russischer Stahlkonzern, hatte bereits zuvor angekündigt, keine Stahlprodukte mehr in die EU zu liefern, weshalb die Sanktionen keine Auswirkungen auf das Unternehmen hatten. EVRAZ, ein bedeutender russischer Knüppelexporteur, verkauft derzeit keine Stahlprodukte mehr in die EU.
Veröffentlichungsdatum: 09.10.2022
