In den vergangenen drei Jahren stieg der Anteil der EU an den Importen indischer Warmwalzprodukte um fast 11 Prozent auf 15 Prozent der gesamten europäischen Warmwalzproduktimporte, was rund 1,37 Millionen Tonnen entspricht. Im vergangenen Jahr zählten indische Warmwalzprodukte zu den wettbewerbsfähigsten auf dem Markt und etablierten sich preislich als Benchmark für Warmwalzprodukte in Europa. Es gab sogar Spekulationen, Indien könnte eines der wichtigsten Länder für die Umsetzung der von der EU beschlossenen Antidumpingmaßnahmen werden. Im Mai kündigte die indische Regierung jedoch angesichts der sinkenden Inlandsnachfrage Exportzölle auf bestimmte Stahlprodukte an. Die Exporte indischer Warmwalzprodukte gingen im Zeitraum April bis Oktober im Vergleich zum Vorjahr um 55 Prozent auf 4 Millionen Tonnen zurück. Damit ist Indien der einzige große Lieferant von Warmwalzprodukten, dessen Exporte nach Europa seit März nicht gestiegen sind.
Die indische Regierung hat ein Gesetz verabschiedet, das die Ausfuhrzölle auf bestimmte Stahlprodukte innerhalb von sechs Monaten aufhebt. Derzeit ist die Nachfrage auf dem europäischen Markt schwach, und der Preisunterschied zwischen dem europäischen Inlandsmarkt und dem Exportmarkt ist gering (etwa 20–30 US-Dollar pro Tonne). Händler zeigen wenig Interesse an Rohstoffimporten, sodass die Auswirkungen auf den Markt kurzfristig kaum spürbar sein werden. Langfristig wird diese Nachricht jedoch zweifellos den heimischen Stahlmarkt in Indien ankurbeln und den Willen Indiens unterstreichen, indischen Stahl wieder auf dem internationalen Markt zu etablieren.
Veröffentlichungsdatum: 25. November 2022
